Vor gut zehn Jahren hat sich die Weltgemeinschaft auf das Pariser Klimaabkommen geeinigt. Seither ist viel geschehen: die globale Energiewende läuft, die „Green Economy“ wächst schneller denn je. Doch all das reicht nicht, um den Ausstoß an klimaschädlichen Gasen rasch zu senken und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Und die derzeitigen Krisen, Fragen der Energieversorgung und -sicherheit sowie geostrategische Verwerfungen könnten die Geschwindigkeit des Wandels zusätzlich bremsen.
Um die Ziele weiterhin im Blick zu behalten, spielen die erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle. Bereits heute liegt deren Anteil an der globalen Stromversorgung bei mehr als einem Drittel. Und der Ausbau ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen; allein 2024 wurden ca. 2 Bio. US-Dollar – vor allem in Wind und Photovoltaik – investiert. Mehr als doppelt so viel wie in fossile Energieträger. Die Internationale Energie Agentur (IEA) verzeichnet jedes Jahr neue Rekorde beim Zubau. Bei Solar spricht die IEA von einem regelrechten „Boom“. Die erneuerbaren Energien sind damit das Herzstück der globalen Energiewende und des weltweiten Klimaschutzes.
Doch die Geschwindigkeit des Umbaus genügt nicht, um eine Verdreifachung der erneuerbaren Energien bis 2030 zu erzielen. Auf diesen Wert hatte sich die Staatengemeinschaft bei der Klimakonferenz 2023 geeinigt, um einen entscheidenden Schritt zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen zu machen. Dafür müssten zwischen 2024 und 2030 pro Jahr mehr als 1.000 GW pro Jahr an Kapazitäten aus erneuerbaren Energien hinzukommen. Im Moment liegt die Zahl allerdings nur ungefähr bei der Hälfte davon.
Ähnlich sieht es bei der Energieeffizienz aus, ebenfalls ein wichtiger Baustein im Klimaschutz. Auf der COP28 in Dubai hatten sich die Staaten darauf verständigt, die globale durchschnittliche jährliche Rate der Energieeffizienzsteigerungen bis 2030 zu verdoppeln, von rund 2 % auf über 4 %.Tatsächlich lag diese aber letzthin nahezu unverändert bei 2 %. Auch hier herrscht noch viel Nachholbedarf.
Nachholbedarf besteht auch bei Übertragungsleitungen und Stromspeichern. Sie sind für eine strombasierte Wirtschaft und eine flexible Stromversorgung essenziell. Nach Analysen der IEA warteten im Jahr 2024 Wind- und Solarkraftwerke mit einer Leistung von 1.650 GW auf einen Stromanschluss.
Alles zusammen genommen hat zur Folge, dass das 1,5-Grad-Ziel ohne zusätzliche Anstrengungen wahrscheinlich nicht zu halten sein wird. Schon jetzt übersteigen die Temperaturen immer wieder kurzzeitig dieses Limit. 2024 war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) das wärmste Jahr in der 175-jährigen Geschichte der Aufzeichnungen. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird die Erdtemperatur auf Werte zwischen 2,3 und 2,5 Grad steigen. Und diese Berechnung schließt schon alle nationalen Zusagen – Nationally Determined Contributions (NDC) – mit ein, auch aus der jüngsten Generation, der sogenannten NDC 3.0. Andernfalls sehen die Prognosen noch höhere Temperaturen bis 2100 vor.
Die Konsequenzen werden dramatisch sein, wie der Weltklimarat immer wieder eindringlich warnt: mehr Extremwetterereignisse, Wasserknappheit, unsichere Lebensmittellage, soziale Verwerfungen und der weitere Verlust von Biodiversität und ganzer Ökosysteme. Ein Teil davon zeigt sich bereits, ob als Hitzewellen in Indien, Fluten in Pakistan, Mosambik oder Bolivien, Starkregen in Südeuropa.
Um den Klimawandel auf ein für den Menschen zumutbares Maß zu begrenzen, müssen die Anstrengungen weitergehen – in vielen Bereichen. Dazu gehören neben dem Ausstieg aus den fossilen Energien und mehr Energieeffizienz auch neue landwirtschaftliche Praktiken und konsequenter Naturschutz. Der Finanzbedarf dafür ist riesig. Der Weltklimarat spricht allein für den Energiesektor von 2,4 Bio. US-Dollar jährlich.
Deshalb unterstützt die KfW ihre Partnerländer im Auftrag der Bundesregierung bei der klimafreundlichen Umgestaltung ihrer Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme. Dieser Wandel muss so schnell wie möglich, aber gleichzeitig auch sozial gerecht erfolgen und alle Bevölkerungsgruppen mitnehmen („Just Transition“), wenn er akzeptiert werden und Bestand haben soll. Dafür setzt die KfW neben ihren bewährten Instrumenten auch innovative ein, etwa Fonds für grüne Unternehmen, die Privatkapital mobilisieren können, oder Versicherungen gegen die Folgeschäden von Extremwetterlagen infolge des Klimawandels.
Das vielfältige Engagement der KfW nützt den Partnerländern, dem Klimaschutz und der deutschen Wirtschaft, die sich dabei neue Märkte erschließen, neue Lieferketten aufbauen und vom Wachstum im Globalen Süden profitieren kann. Klimafinanzierung verbindet effektiven Klimaschutz mit dem Ausbau ökonomischer Chancen. Beides unterstützt die KfW – und stärkt dadurch Deutschlands geostrategische Partnerschaften in Lateinamerika, Afrika, Asien und Südosteuropa.
Die Finanzierungen klima- und umweltrelevanter Vorhaben der KfW Entwicklungsbank bewegen sich seit vielen Jahren auf hohem Niveau und machen rund die Hälfte der Gesamtfinanzierungen aus. 2024 hat die KfW Entwicklungsbank Neu-Finanzierungen im Umfang von fast 3,9 Mrd. Euro getätigt, die voraussichtlich zur Erreichung des SDG 13 beitragen. Mit den 2024 unterzeichneten Finanzierungsverträgen werden in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich mehr als 3,6 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen jährlich reduziert oder vermieden und künftig mehr als 6,3 Millionen Menschen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels direkt unterstützt.
Für die KfW stehen Maßnahmen zu Klimaschutz, -anpassung und -resilienz trotz der vielen neu hinzugekommenen Krisen weiterhin ganz oben auf der Agenda. Denn der Klimawandel wird potenziell alle anderen Krisen weiter verstärken, wenn es der Weltgemeinschaft nicht gelingt, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Schon heute hat er finanzielle und wirtschaftliche Folgen, auch für deutsche Unternehmen.
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